Notfallmedizin Kongress in Koblenz

Der DINK. Deutscher interdisziplinärer Notfallmedizin Kongress in Koblenz vom 03.-04. März 2016

Tolle Vorträge, viel über die Laienreanimation, interessante Gespräche. So kann man die letzten beiden Tage in Koblenz zusammen fassen.
Auf dem diesjährigen interdisziplinären Notfallmedizin Kongress fanden viele Vorträge Rund um die Themen „Wiederbelebung“ und „Reanimation-Leitlinien 2015“ statt. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Kernaussagen geben. 

Wir werden besser!
Anhand der neuesten Datenlage wird berichtet, dass in Deutschland die Laienreanimationsrate in den letzten Jahren auf ca. 30% gesteigert werden konnte. Das liegt unter anderem an dem gestiegenen medialen Interesse an dem Thema „Wiederbelebung“ und dem Deutschen Wiederbelebungsrat (GRC). Er konnte mit gezielten Werbekampagnen wie zum Beispiel der „Woche der Wiederbelebung“ die deutsche Bevölkerung für den plötzlichen Herztod weiter sensibilisieren. Länder wie Dänemark liegen aber weiterhin mit gut 70% durchgeführter Wiederbelebung durch Notfallzeugen deutlich vor uns. 

Qualitativ hochwertige Wiederbelebung ist entscheidend für das Überleben!
Es ist wichtig die Notfallzeugen zu ermutigen, die Herzdruckmassage „tief“ und „fest“ durchzuführen. Der Brustkorb sollte mindestens 5cm (höchstens 6cm) durchgedrückt werden. Die Studienlage in diesem Punkt ist eindeutig. Je besser die Herzdruckmassage durchgeführt wird, desto höher ist die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten die einen Herz-Kreislaufstillstand erleiden. Also üben, üben, üben…

Möglichst die Herzdruckmassage nicht unterbrechen!

Studien zeigen deutlich, dass eine unterbrochene Herzdruckmassage (zum Beispiel für die EKG-Analyse und/oder das Anlegen eines automatischen Defibrillators {AED}) zu einer Verschlechterung des Überlebens führen kann. Hier sollten die Erste-Hilfe Ausbilder ein besonderes Augenmerk drauf legen. Jeder Mensch der nicht reagiert und nicht normal atmet, hat einen Kreislaufstillstand und benötigt eine sofortige Wiederbelebung. Die Herzdruckmassage sollte sofort in einem Rhythmus von 100X/Minute durchgeführt werden. Sie sollte nur für eine EKG-Analyse und die eventuell notwendige Defibrillation unterbrochen werden. Längere Unterbrechungen führen zu einer verminderten Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten die einen Herz-Kreislaufstillstand erleiden. 

Frühzeitige Defibrillation beim Kammerflimmern erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit!

Eine frühzeitig durchgeführte Defibrillation beim Kammerflimmern innerhalb von 3-5 Minuten nach dem Kollaps kann die Überlebenswahrscheinlichkeit um 50-70% erhöhen. Dies erfolgt zum Beispiel mit öffentlich zugänglichen AED`s. Hier ist es aber wichtig, die Herzdruckmassage nur für eine EKG-Analyse und die eventuell notwendige Defibrillation zu unterbrechen (siehe Text oben). Pausen die länger als 10 Sekunden dauern sind kontraproduktiv.
Deswegen ist es wichtig, die zugänglichen AED`s in ein System der Ausbildung zu integrieren (siehe mein Projekt mit dem TUS Volmetal). 

Telefonreanimation durch die Rettungsleitstelle!

Wir sind in Deutschland auf einem guten Weg. Die Anzahl der durchgeführten Telefonreanimationen (also der Anleitung des Notfallzeugen durch den Leitstellendisponent) nimmt stetig zu.
Die Entwicklung von unter 2% im Jahr 2010 auf gut 9% im Jahr 2014 ist positiv zu bewerten. Allerdings besteht hier weiterer Bedarf. Viele weitere Rettungsleitstellen in Deutschland werden das Konzept in der nächsten Zeit übernehmen oder eigene Arbeitsabläufe für die Disponenten erstellen.  

Kids save Lives!

Ein besonders wichtiger Augenmerk in der Breitenausbildung der Wiederbelebungsmassnahmen liegt auf den Kindern und Jugendlichen. Gerade diese Gruppe hat der GRC im Blick und will die Kids in den Schulen ausbilden lassen. Entweder durch externe Instruktoren oder durch speziell weitergebildete Lehrerinnen und Lehrer. Ein entsprechender Erlass der verschiedenen Kultusministerien liegt bereits seit 2014 vor. Jetzt geht es in den nächsten Jahren um die Umsetzung in den einzelnen Bundesländern.
Nur so können wir gemeinsam die zukünftigen Genrationen fit in der Ersten Hilfe machen und die Rate an Laienreanimationen in Deutschland erhöhen. Ein europaweiter Aktionstag am 18. Oktober 2016 soll hier zusätzlich sensibilisieren. Auch wir werden dabei sein!

Die Zunahme von öffentlichen AED`s muss kritisch gesehen werden!

Automatische Externe Defibrillatoren können die Überlebenswahrscheinlichkeit beim plötzlichen Herztod verbessern!
Eine beim Kammerflimmern (eine besondere Herzrhythmusstörung die potentiell tödlich ist) innerhalb von 3-5 Minuten durchgeführte Defibrillation hebt die Überlebenswahrscheinlichkeit. Allerdings sind viele AED`s so programmiert, dass Sie eine längere Zeit benötigen, um den Notfallzeugen zu einer Herzdruckmassage anzuleiten. Deswegen ist es wichtig, die öffentlich zugänglichen Geräte in ein entsprechendes System einzubinden und die Menschen an diesen Geräten auszubilden.
Es macht keinen Sinn, wenn der Patient mit einem Herz-Kreislaufstillstand für mehrere Minuten ohne eine Herzdruckmassage liegen bleibt, weil ein Gerät geholt wird, oder die gesprochenen Anweisungen nicht schnell genug zu einer Wiederbelebung führen. Studien in diesem Bereich haben ergeben, dass es unter Umständen länger als zwei Minuten (je nach Gerät) dauern kann, bis die Sprachführung in den AED`s zu der Herzdruckmassage kommt. Das ist zu lang!

 

Eine Studie zum Thema „Wiederbelebung“ hat schon in den 1960er Jahren einen wichtigen Satz hervorgebracht:
„All that is needed is two hands“!
Dem möchte ich mich anschließen und noch den „gesunden Menschenverstand“ hinterherschicken…

In diesem Sinne, seien Sie wachsam und achten auf Ihren Nächsten. Denn die Rettungskette fängt bei Ihnen, dem Notfallzeugen an und sie kann nur funktionieren, wenn alle Glieder ineinander greifen.

Alles über den GRC und die Leitlinien zur Reanimation finden Sie auf der Homepage des Vereins unter www.grc-org.de

Jens Schilling

 

 

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