Smartphone rettet Leben – Ersthelfersysteme in Deutschland
Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Bereits nach 3 bis 5 Minuten ohne Herzdruckmassage kommt es zu irreversiblen Hirnschäden. Trotzdem überleben in Deutschland von rund 120.000 Betroffenen pro Jahr außerhalb von Krankenhäusern nur etwa 11 Prozent. Ein entscheidender Grund: Selbst wenn der Rettungsdienst schnell alarmiert wird, treffen die ersten Einsatzkräfte in Großstädten oft erst nach 7 bis 8 Minuten ein – in ländlichen Regionen häufig noch später. Für einen Menschen im Herzstillstand ist das zu lange.
Genau hier setzen smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierungssysteme, auch sogenannte First-Responder-Systeme, an. Über eine App können registrierte und geschulte Ersthelferinnen und Ersthelfer in der Nähe eines Notfallortes automatisch alarmiert werden – oft mehrere Minuten vor dem Rettungsdienst. Diese Helfer sind keine Unbekannten: Pflegekräfte, Rettungsdienstpersonal, Medizinstudierende, Ärztinnen und Ärzte, Feuerwehrangehörige sowie Mitglieder von Hilfsorganisationen. Menschen also, die wissen, was zu tun ist – und die mit ihrer früh begonnenen Herzdruckmassage Leben retten können.
Der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) engagiert sich seit Jahren für die Etablierung und den Ausbau dieser Systeme in deutschen Leitstellen. Projektleiter ist Prof. Dr. Michael Müller, Chefarzt am St.-Josefs-Hospital in Freiburg und Leiter der Arbeitsgruppe „Smartphone rettet Leben“. Ersthelfersysteme schließen die entscheidende Lücke zwischen Notruf und Eintreffen des Rettungsdienstes – und geben Betroffenen eine echte Überlebenschance. Denn Reanimation beginnt nicht im Rettungswagen. Sie beginnt dort, wo der Mensch zusammenbricht.
