Eine Petition fordert verpflichtende Erste-Hilfe-Auffrischungskurse für Führerscheininhaber im Abstand von zehn Jahren. Die Initiative erhält Unterstützung aus Medizin und Politik. Auch aus Sicht der praktischen Notfallmedizin ist eine regelmäßige Wiederholung der Kenntnisse dringend sinnvoll.
Viele Menschen haben ihren letzten Erste-Hilfe-Kurs im Zusammenhang mit dem Erwerb des Führerscheins besucht. Das kann zehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahre zurückliegen. Seitdem haben sich möglicherweise sowohl die persönlichen Kenntnisse als auch die Sicherheit im Umgang mit medizinischen Notfallsituationen deutlich verändert. Was damals gelernt wurde, ist häufig nur noch teilweise präsent. Gerade bei seltenen, aber lebensbedrohlichen Ereignissen kann das zum Problem werden.
Eine Petition bringt Bewegung in die Diskussion
Eine Frau, die seit mehr als 20 Jahren in einer großen interdisziplinären Notaufnahme tätig ist, möchte diese Situation verändern. Mit einer öffentlichen Petition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages fordert sie, dass die Erste-Hilfe-Ausbildung für Führerscheininhaber spätestens alle zehn Jahre verpflichtend aufgefrischt werden soll. Ihre Motivation kommt aus der täglichen Arbeit mit Notfallpatienten. Immer wieder erlebt sie Situationen, in denen Menschen möglicherweise bessere Überlebenschancen gehabt hätten, wenn Umstehende früher und entschlossener Erste Hilfe geleistet hätten. Unsicherheit, fehlende praktische Erfahrung und die Angst, etwas falsch zu machen, können dazu führen, dass notwendige Maßnahmen unterbleiben oder zu spät beginnen.
Der Petitionsausschuss hat sich mit dem Anliegen befasst und die weitere Ausarbeitung durch das Bundesverkehrsministerium angestoßen. Dabei wird unter anderem auf die Bedeutung eines ausreichenden Kenntnisstandes bei Verkehrsunfällen verwiesen. Für Berufskraftfahrer sind regelmäßige Auffrischungen der Erste-Hilfe-Kenntnisse bereits vorgeschrieben.
Unterstützung aus Nordrhein-Westfalen
Die Forderung findet auch bei verschiedenen Vertretern aus Medizin und Politik in Nordrhein-Westfalen Zustimmung. Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, sieht in der Initiative eine Möglichkeit, das Gesundheitswissen in der Bevölkerung zu stärken. Neben der Erste-Hilfe-Ausbildung spricht er sich auch für eine stärkere Verankerung gesundheitlicher Bildung in Schulen und Betrieben aus.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer bewertet die Diskussion über regelmäßige Auffrischungskurse ebenfalls positiv. Einer gesetzlichen Verpflichtung steht er allerdings zurückhaltend gegenüber. Er sieht insbesondere in einer breiten gesellschaftlichen Diskussion und in niedrigschwelligen Ausbildungsangeboten Möglichkeiten, mehr Menschen für das Thema zu gewinnen. Auch die Bundestagsabgeordneten Nicklas Kappe (CDU) und Jan Dieren (SPD), die beide im Petitionsausschuss tätig sind, unterstützen die grundsätzliche Zielrichtung der Initiative. Sie betonen, dass regelmäßige praktische Übungen dazu beitragen können, Unsicherheiten abzubauen und in Notfallsituationen schneller und sicherer zu handeln.
Über den konkreten zeitlichen Abstand einer verpflichtenden Auffrischung wird allerdings noch diskutiert.
Warum regelmäßiges Üben so wichtig ist
Aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Notfallmedizin weiß ich, wie entscheidend die ersten Minuten nach einem medizinischen Notfall sein können. Besonders deutlich wird das beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Bis der Rettungsdienst eintrifft, vergeht wertvolle Zeit. In dieser Phase sind die anwesenden Menschen häufig die einzigen, die unmittelbar etwas für den Betroffenen tun können. Eine sofort begonnene Herzdruckmassage und der möglichst frühe Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED) können entscheidend dazu beitragen, die Überlebenschancen zu verbessern.
Doch genau hier liegt ein Problem: Wer lange keinen Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, erinnert sich möglicherweise nicht mehr sicher an die notwendigen Handlungsabläufe. Die Angst, etwas falsch zu machen, kann zusätzlich hemmen. Deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht aus, Erste Hilfe einmalig für den Führerschein zu erlernen.
Kenntnisse müssen regelmäßig aufgefrischt und praktische Fähigkeiten wiederholt trainiert werden.
Erste Hilfe muss mehr sein als eine einmalige Pflichtveranstaltung
Die vorgeschlagene Auffrischung alle zehn Jahre wäre ein möglicher erster Schritt. Aus meiner Sicht sollte die Diskussion allerdings noch weitergehen. Wir müssen uns fragen, wie wir möglichst viele Menschen dauerhaft für lebensrettende Maßnahmen gewinnen können.
Dazu gehören für mich insbesondere:
- Regelmäßige Erste-Hilfe-Auffrischungskurse für Erwachsene.
- Wiederkehrende praktische Übungen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung.
- Die Vermittlung des Umgangs mit automatisierten externen Defibrillatoren.
- Eine verbindliche und regelmäßige Reanimationsausbildung an Schulen.
- Niedrigschwellige Angebote für Vereine, Betriebe und andere gesellschaftliche Einrichtungen.
Gerade die praktische Übung ist entscheidend. Eine Herzdruckmassage lässt sich nicht allein durch das Lesen einer Anleitung erlernen. Man muss sie selbst durchführen, die richtige Technik kennenlernen und Rückmeldung über die Qualität der eigenen Maßnahmen erhalten.
Meine Unterstützung für diese Initiative
Ich begrüße die Petition ausdrücklich und hoffe, dass die Diskussion nicht mit einer parlamentarischen Befassung endet. Es geht letztlich um mehr als die Frage, ob jemand alle zehn Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen muss. Es geht um eine Gesellschaft, in der Menschen in Notfallsituationen nicht wegschauen, sondern helfen können und wollen. Niemand muss ein medizinischer Experte sein, um Leben zu retten. Aber jeder sollte die grundlegenden Maßnahmen kennen und regelmäßig Gelegenheit bekommen, diese praktisch zu trainieren. Denn wenn ein Mensch plötzlich zusammenbricht, können wir nicht erst anfangen, uns daran zu erinnern, was wir vor Jahrzehnten einmal gelernt haben.
Die Diskussion über regelmäßige Auffrischungskurse sollte meiner Ansicht nach gleichzeitig ein Anlass sein, die bestehenden Erste-Hilfe-Kurse grundsätzlich zu überprüfen. Welche Inhalte müssen unbedingt vermittelt werden, welche Themen benötigen möglicherweise weniger Raum und welche Maßnahmen sollten stärker in den Mittelpunkt rücken? Vielleicht sollten wir auch die bisherige zeitliche Vorgabe von acht Unterrichtseinheiten kritisch hinterfragen. Wäre es nicht sinnvoller, die wirklich lebensrettenden Maßnahmen stärker zu gewichten und dafür kompaktere, praxisorientierte Kursformate anzubieten? Entscheidend ist schließlich nicht, möglichst viele Stunden abzusitzen, sondern möglichst viele Menschen dazu zu befähigen, im Notfall sicher und entschlossen zu helfen.
PRÜFEN! RUFEN! DRÜCKEN! SCHOCKEN!
Erste Hilfe ist keine Frage des Alters, des Berufs oder der medizinischen Vorbildung. Sie ist eine Verantwortung, die wir alle übernehmen können.
Jeder kann helfen. Und das sollten noch viel mehr Menschen wissen!
Laienreanimation kann jeder!
Geh nicht vorbei.
