Wenn ein Mensch plötzlich einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet, zählt jede Sekunde. Bis der Rettungsdienst eintrifft, können bereits mehrere Minuten vergehen. Umso wichtiger ist es, dass sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wird. Die aktuellen Daten des Deutschen Reanimationsregisters für das Jahr 2025 zeigen, wie häufig bereits vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes Reanimationsmaßnahmen eingeleitet werden – und vor allem, wer diese wichtige Aufgabe übernimmt.
In 63,1 % der Fälle wird bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes reanimiert
Bei 63,1 % der ausgewerteten Fälle wurden bereits vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt. Besonders interessant ist die Aufschlüsselung dieser Zahl:
- 53,5 % durch klassische Ersthelfende (Laienreanimation)
- 6,8 % durch First Responder (z.B. Freiwillige Feuerwehr)
- 2,8 % durch zusätzlich alarmierte Ersthelfende (beispielsweise über ein App-basiertes Ersthelfersystem)
Damit zeigt sich deutlich: Die ersten Minuten werden ganz überwiegend von Menschen überbrückt, die sich bereits am Einsatzort befinden oder gezielt als Ersthelfende alarmiert werden.
Die Ersthelfende spielen die entscheidende Rolle
Mit 53,5 % stellen klassische Ersthelfende den mit Abstand größten Anteil der Personen, die vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Wiederbelebung beginnen. Das können Angehörige, Passanten, Kolleginnen und Kollegen, Freunde, Nachbarn oder andere zufällig anwesende Personen sein.
Und genau hier wird deutlich, warum Laienreanimation so wichtig ist.
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist kein Ereignis, bei dem man auf professionelle Hilfe warten sollte. Wer einen bewusstlosen Menschen vorfindet, keine normale Atmung feststellt und den Notruf 112 absetzt, kann und sollte unmittelbar mit der Wiederbelebung beginnen.
Prüfen. Rufen. Drücken.
Diese wenigen Schritte können den entscheidenden Unterschied machen.
Auch First Responder und App-Systeme leisten einen wichtigen Beitrag
6,8 % der Reanimationen vor Eintreffen des Rettungsdienstes wurden durch sogenannte First Responder durchgeführt.
Dabei handelt es sich um speziell ausgebildete Helferinnen und Helfer, die beispielsweise über Feuerwehr, Hilfsorganisationen oder andere Strukturen alarmiert werden und häufig deutlich schneller am Einsatzort sein können als der reguläre Rettungsdienst. Daneben wurden 2,8 % der Fälle durch zusätzlich alarmierte Ersthelfende übernommen – beispielsweise durch appbasierte Ersthelfersysteme. Hierbei ist allerdings eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die differenzierte Dokumentation dieser zusätzlich alarmierten Ersthelfenden ist im Deutschen Reanimationsregister erst seit Mitte 2025 möglich. Die Zahl von 2,8 % lässt sich deshalb noch nicht mit den Werten der Vorjahre vergleichen.
Jede Minute zählt
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute, in der keine wirksame Wiederbelebung durchgeführt wird.
Der Rettungsdienst kann noch so schnell alarmiert werden – die ersten Minuten gehören häufig den Menschen, die bereits vor Ort sind. Deshalb ist es so wichtig, möglichst viele Menschen mit den grundlegenden Maßnahmen der Wiederbelebung vertraut zu machen.
Eine Herzdruckmassage ist besser als gar nichts zu tun. Und moderne Leitstellen können Anrufende bei einem vermuteten Herz-Kreislauf-Stillstand zusätzlich telefonisch Schritt für Schritt durch die Wiederbelebung führen.
63,1 % sind eine gute Nachricht – aber noch lange kein Grund, sich zurückzulehnen
Die Zahlen des Deutschen Reanimationsregisters zeigen, dass in Deutschland bereits in vielen Fällen geholfen wird, bevor der Rettungsdienst eintrifft. Gleichzeitig bedeutet das aber auch: In mehr als einem Drittel der Fälle beginnen vor Eintreffen des Rettungsdienstes offenbar keine dokumentierten Wiederbelebungsmaßnahmen. Genau hier liegt weiterhin ein enormes Potenzial. Denn jeder Mensch, der weiß, was im Notfall zu tun ist, kann zum Lebensretter werden.
Laienreanimation kann jeder!
Und genau deshalb müssen wir weiter dafür sorgen, dass Wiederbelebung zu einem selbstverständlichen Bestandteil unserer Gesellschaft wird – in Schulen, Vereinen, Unternehmen und überall dort, wo Menschen zusammenkommen.
Nicht warten. Nicht zögern. Handeln.
Denn wenn ein Herz stehen bleibt, zählt jede Sekunde.
Quelle Zahlen und Foto:
Deutsches Reanimationsregister, Auswertung „Reanimation vor Eintreffen des Rettungsdienstes 2025“. Ausgewertet wurden Daten aus der Referenzgruppe nach vordefinierten Qualitätskriterien.

