„Am schlimmsten ist es nichts zu tun!“

Der Bericht aus der Westfalenpost zur Veranstaltung am vergangen Montag in Hagen.

Hohenlimburg. Eigentlich ist Jens Schilling (40) Fachkrankenpfleger für Anästhesie im Allgemeinen Krankenhaus Hagen. Zeitweise hat er auch als Rettungssanitäter gearbeitet. Ein Erlebnis auf dem Rettungswagen war eine Motivation zu seinem zweiten Standbein – „Laien-Reanimation kann jeder“.

Ein 49-jähriger Patient kollabierte im Beisein seiner Frau und seiner Tochter. Der Mann hätte vielleicht eine Chance gehabt, wenn seine Angehörigen bis zum Eintreffen des Rettungswagens mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen begonnen hätten. Das geschah jedoch nicht. „Das war eine sehr emotionale Geschichte“, so Jens Schilling.

Seit fast zwei Jahren versucht Jens Schilling mit seinen Vorträgen und seiner Internetseite so viele Ersthelfer wie möglich dafür zu gewinnen, sich mit dem Thema Laien-Reanimation und Erster Hilfe zu beschäftigen. „Ich erlebe es im Klinikalltag immer wieder, dass Menschen sterben oder schlimme neurologische Schäden davontragen, weil Anwesenden die Entschlossenheit fehlt, beherzt zu handeln“, so Jens Schilling. Pro Jahr sterben in Deutschland 130 000 Menschen am plötzlichen Herztod – das sind 360 pro Tag (!).

So war Jens Schilling auf Einladung des Verbandes für Sport um den Vorsitzenden Mark Krippner mit einem Referat im Zehner Treff zu Gast. Unter dem Hintergrund, dass der VfS mit dem Apotheker Wolf Tews zwei Defibrillatoren für das Kirchenbergstadion angeschafft hat. Deren Handhabung stellte Jens Schilling den Besuchern anhand eines Videos vor.

Bewusstsein kontrollieren
Doch wie verhält man sich, wenn ein Mensch kollabiert? „Am Schlimmsten ist es, nichts zu tun“, so Schilling. Zunächst heißt die Devise „Ansprechen“ und „Schütteln“ am den Schultern, um das Bewusstsein festzustellen. Ist er nicht bei Bewusst sein und hat zudem auch noch seine Atmung ausgesetzt, muss sofort der Notruf 112 abgesetzt werden. „Oder veranlassen Sie eine andere Person, die den Notruf übernimmt“, so Jens Schilling.

Dann muss sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden – 100 bis 120 Mal pro Minute, und zwar so lange, bis Rettungsdienst und Notarzt eintreffen. Geschulte Helfer sollen die Mund-zu-Mund-Beatmungen im Verhältnis von 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen durchführen.

„Defi“ gibt Anweisungen
Das Procedere gilt auch, wenn – so wie jetzt im Kirchenberg – ein Defibrillator vorhanden ist. Bis zur Anbringung der Elektroden muss eine Herzdruckmassage durchgeführt werden. Der Defibrillator gibt übrigens Anweisungen, was genau zu tun ist. Er schreibt selbst ein EKG und gibt einen Stromstoß nur ab, wenn er Kammerflimmern erkennt.

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Text und Foto: Lutz Risse (Westfalenpost)

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